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Pflege urlaubsstrapazierter Haut

Im Urlaub wird die Haut oft mehr strapaziert als man glaubt. Häufiger Aufenthalt in der Sonne und an der frischen Luft belasten vor allem die Gesichtshaut und das Schwimmen im Meer und Sonnenbaden die gesamte Körperhaut.

Auch die begehrte Urlaubsbräune fordert die Schutzfunktionen der Haut und die Vitamin- und Wirkstoffspeicher sind erschöpft. Professor Dr. med. Eberhard Paul von der Hautklinik Nürnberg gibt Auskunft über die geeignete Hautpflege nach dem Sommerurlaub.

Im Urlaub geht man oft recht sorglos mit der Haut um, wie kann man das denn zu Hause ausgleichen?

PROF. PAUL: Prinzipiell sollte man sich natürlich auch in der Urlaubszeit um seine Haut kümmern, vor allem ist auf guten Lichtschutz zu achten, der vor UVA- und UVB Strahlung schützt. Hautsünden, die man im Urlaub begangen hat, lassen sich nachher nur schwer wieder beheben. Man sollte aber auf jeden Fall berücksichtigen, dass die beanspruchte Haut häufig sehr empfindlich ist, deshalb sind jetzt ausschließlich dermatologisch getestete, besonders gut verträgliche Pflegeprodukte zu verwenden.

Welche Rolle spielen hier Hautpflegeprodukte aus der Apotheke?

PROF. PAUL: Hautpflegeprodukte aus der Apotheke sind besonders hochwertig und werden ständig überprüft, so dass der Verwender sicher sein kann, ein Qualitätsprodukt zu erhalten. Aktuelle Untersuchungen der Universität Tübingen zeigen, dass z. B. bei Sonnenschutzmitteln Produkte von Markenherstellern, sehr viel wirksamer gegen UVA Strahlung schützen als Sonnenschutzmittel aus dem Discounter. Das wundert nicht, da Substanzen die effektiv gegen die UVA-Strahlung schützen, sehr teuer sind. Die Tester fanden vor allem bei Produkten für Kinder unzureichenden UVA-Schutz. Diese Qualitätsunterschiede dürfte man mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei anderen Hautpflegeprodukten finden. Zudem bekommt man in der Apotheke eine gute fachliche Beratung, die im Zweifelsfall auch an den Dermatologen verweist.

Was muss man bei der Gesichtspflege beachten?

PROF. PAUL: Die Haut im Gesicht wird bei Aktivitäten draußen besonders belastet. Die intensive Sonnenbestrahlung in südlichen Breiten sorgt zusammen mit Wind und salziger Luft dafür, dass die Haut braun wird, aber gleichzeitig trocknet sie aus und der Feuchtigkeitsmangel verursacht Fältchen. Dagegen hilft eine Tagescreme mit einer ausgewogenen Mischung aus Fett und Feuchtigkeit. Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff und Glyzerin sind in der Praxis nicht nur bei trockenen Hauterkrankungen bewährt, sondern sorgen in gut verträglichen Konzentrationen auch in Kosmetika für langdauernde Feuchtigkeitsspeicherung. Vitamin E schützt vor UV-bedingten Hautschäden und kann sogar den Kollagenverlust verhindern, der zu den gefürchteten Sonnenfalten führt.

Frauen beklagen sich häufig über Falten an Hals und Dekolleté. Was sollte man bei der Pflege hier beachten?

PROF. PAUL: Am Hals und am Dekolleté ist die Haut naturgemäß dünner als am Körper, zum Teil sogar dünner als in manchen Bereichen des Gesichts. Außerdem hat die Haut hier weniger Talgdrüsen, so dass sie leichter austrocknet. Deshalb leidet sie besonders unter Hitze und UV-Belastung. Auch sinkt beim Sonnen der Vitamin A-Gehalt der Haut, dieses Vitamin braucht die Haut aber dringend für die Hauterneuerung. Da die obersten Hautschichten nicht durchblutet sind und deshalb durch die Ernährung nur schlecht mit Vitaminen versorgt werden, führt man dieses Vitamin am besten mit einer Creme zu, die im Idealfall eine Kombination aus Vitamin A und E enthält.

Nach dem Urlaub die Bräune möglichst lange erhalten. Was kann man mit Pflege erreichen?

PROF. PAUL: Die Haut erneuert sich naturgemäß etwa alle 28 Tage, die obere Schicht wird dann abgestoßen. Damit geht auch die Bräune verloren. Mit Hautpflege kann man dafür sorgen, dass die Haut gut durchfeuchtet ist, so erreicht man, dass sich die Haut zumindest nicht schneller abschuppt als von der Natur vorgesehen.

Man hört immer wieder, dass der Besuch von Solarien geeignet sein soll die Urlaubsbräune zu erhalten, zusätzlich soll dadurch die Vitamin D-Bildung angeregt werden. Sind Solarien doch gesund?

PROF. PAUL: Natürlich bleibt man länger braun, wenn man sich der künstlichen UV-Strahlung aussetzt, jedoch um den hohen Preis einer vorzeitigen Hautalterung und der Begünstigung von Hautkrebs. Auf der Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft im April in Dresden wurde berichtet, dass sogar Melanome gehäuft bei jungen Frauen vorkommen, die regelmäßig Sonnenbänke besuchen. Die Vitamin D-Bildung wird durch natürliches Licht ausreichend angeregt, zudem ist dafür überwiegend UVB notwendig. Diese Strahlenart wird aber bisher in Sonnenbänken zugunsten der UVA-Strahlung reduziert. UVB kann zu Schäden an der Erbsubstanz der Hautzellen führen und ist damit noch gefährlicher als UVA-Strahlung.

Auch Selbstbräunungscremes werden für die Verlängerung der Urlaubsbräune propagiert. Ist die Anwendung dieser Cremes harmlos?

PROF. PAUL: Wenn man unbedingt braun sein will, sind diese Produkte immer noch vergleichsweise empfehlenswert. Sie enthalten Dihydroxyaceton oder verwandte Substanzen, also Zuckermoleküle, die in die oberste Hornschicht eingelagert werden und dort zu einer Färbung führen. Nach heutigem Wissenstand beeinflussen diese Stoffe lebende Hautzellen nicht, so dass sie als unbedenklich anzusehen sind.

Wir danken Ihnen für die Informationen.

Quelle: frei HautforschungsInstitut