64 Prozent der Deutschen tragen eine Brille. Der Grund scheint nur auf den ersten Blick klar - Fehlsichtigkeit. Aber welche Art von Fehlsichtigkeit die Brille korrigieren muss, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wer schon immer wissen wollte, was genau Kurz- und Weitsichtigkeit, Alterssichtigkeit und Astigmatismus bedeuten, findet hier die Antworten.
Kurzsichtigkeit (Myopie) ist eine der häufigsten Arten von Fehlsichtigkeit. Zuverlässige Schätzungen gehen davon aus, dass in Europa etwa ein Viertel bis ein Drittel der Gesamtbevölkerung kurzsichtig ist mehr oder weniger stark. Während einige ihre Kurzsichtigkeit kaum bemerken, vielleicht allenfalls fürs Autofahren eine Brille benötigen, leiden andere stark darunter und kommen ohne Korrektur nicht unbeschwert durch den Tag. Alle Kurzsichtigen können nahe Gegenstände tadellos scharf sehen - entfernte aber nur ungenau. Das liegt an der nicht ganz exakten "Bauweise" des kurzsichtigen Auges. Dieses ist entweder ein wenig zu lang daher bündelt die Linse die auftreffenden Lichtstrahlen schon, bevor es auf die Netzhaut im Augenhintergrund fällt. Oder aber die Augenlinse hat eine zu starke Brechkraft. Das Resultat: Das auf der Netzhaut auftreffende Bild ist leicht unscharf.
Das Gegenteil der Kurzsichtigkeit ist die Weitsichtigkeit (Hyperopie). Das weitsichtige Auge sieht auf die Entfernung gut, hat aber Probleme in der Nähe, typischerweise beim Lesen. Das kann zwei Gründe haben: Entweder ist das Auge ein wenig zu kurz geraten. Die Linse bündelt das Licht nicht genau auf der Netzhaut, sondern etwas später. Oder die Brechkraft der Linse ist zu schwach. Die auf der Netzhaut auftreffenden Bildinformationen sind unscharf. In jungen Jahren kann das Auge übrigens eine leichte Weitsichtigkeit durch eine stärkere Krümmung der Linse noch ausgleichen. Später verliert die Linse diese Flexibilität. Rund 35 Prozent der Deutschen sind weitsichtig.
Die Alterssichtigkeit (Presbyopie) macht sich bei jedem Menschen früher oder später bemerkbar. Irgendwann sind die Arme zu kurz für die tägliche Zeitungslektüre, eine Lesebrille muss her. Das liegt an der nachlassenden Linsenelastizität. Die Fokussierung auf die Nähe klappt nicht mehr so gut wie noch in jungen Jahren. Die meisten Menschen benötigen daher zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr zumindest in manchen Situationen eine Brille. Die sollte übrigens nicht an der Tankstelle oder Drogerie gekauft werden, sondern im Fachhandel, und zwar in Verbindung mit einer Untersuchung der Augen und einem ausführlichen Beratungsgespräch.
Der Grund: Alterssichtige Augen sollten regelmäßig vom Fachmann untersucht werden, da sich der Grad der Alterssichtigkeit verändert. Zudem kann nachlassendes Sehvermögen im Alter auch andere Ursachen als lediglich Alterssichtigkeit haben; eine regelmäßige Untersuchung ist daher dringend anzuraten. Die Standard-Fertigbrillen korrigieren lediglich die Dioptrien, eine Zylinderfehlstellung oder eine unterschiedliche Sehkorrektur für das linke und das rechte Auge leisten diese Brillen nicht. Nur eines der beiden Augen kann mit Fertig-Lesebrillen annähernd gut sehen - wenn überhaupt.
Eine weitere Ungenauigkeit des Auges kann eine ungleichmäßige Hornhautverkrümmung sein. Der Fachmann spricht von Stabsichtigkeit (Astigmatismus). Das Auge sieht einen Punkt aufgrund der ungleichmäßigen Verzerrung durch die Hornhaut nicht als Punkt, sondern als Stab. Das Gehirn korrigiert dies zwar, das Bild ist dennoch etwas unklar.
All die bisher genannten Sehprobleme lassen sich - je nach Grad der Fehlsichtigkeit mit einer Brille oder auch mit einer Kontaktlinse beheben.
Die Rot-Grün-Schwäche tritt häufig bei Männern, selten bei Frauen auf: Rund acht Prozent der Männer haben Schwierigkeiten damit, die Farben Rot und Grün sowie Mischfarben mit Rot- oder Grünanteil korrekt auseinanderzuhalten. Bei Frauen sind es lediglich 0,4 Prozent. Die Rot-Grün-Sehschwäche tritt in verschiedenen Graden auf, ist angeboren und nicht behandelbar. Im Alltag stört die Rot-Grün-Sehschwäche kaum, der Betroffene hat sich an den "falschen" Seheindruck längst gewöhnt. Bei einigen Berufen wie Piloten, Grafikern oder Polizisten ist allerdings Farbsicherheit Voraussetzung.
Auch Schielen (Strabismus) kann das gute Sehen maßgeblich beeinträchtigen. Eine schielende Person kann die Augen nicht parallel zueinander ausrichten.
Der Graue Star (Katarakt) ist eine Trübung der Augenlinse. Er führt zu einem langsamen, schmerzlosen Sehverlust. Behandelt wird der Graue Star durch die operative Entfernung der Linse; stattdessen wird eine Kunststofflinse eingesetzt.
Der Grüne Star (Glaukom) resultiert aus einem erhöhten Druck im Augeninneren. Dieser ist nicht wahrnehmbar, beschädigt aber allmählich die Netzhaut und kann zur Erblindung führen! Da die Krankheit langsam voranschreitet, ist der sich allmählich verstärkende âTunnelblick" vom Betroffenen schwer zu bemerken. Nur rechtzeitige Feststellung und medikamentöse Behandlung können das Augenlicht retten. Es gibt aber auch verschiedene operative Methoden.
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